8 Aug 2018

8 Aug 2018

Wenn’s hart auf hart geht

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Kategorie: Karriere

Wenn’s hart auf hart geht

Rascher Wandel, häufige Managementwechsel, fortschreitende Transformationsprozesse erhöhen das Tempo, mit dem Führungskräfte ihre Aufgaben bewältigen müssen. Das bleibt nicht ohne Opfer: Steigender Druck, Orientierungslosigkeit, Leistungsabfall, Burn Out und andere Krankheiten sind neben steigender Fluktuation immer häufiger die Folgen. Was können Unternehmen und betroffene Manager dagegen tun?

Der Begriff Resilienz löst bei mir erstmal Skepsis aus. Sofort denke ich: „Wieder wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben“. Doch die Frage dazu „Wie halten Sie das alles aus, Mister Manager?“ interessiert mich sehr. Dies besonders vor dem Hintergrund verstärkter Nachfrage nach unseren Management Coachings und ca. 25 % gestiegenen Initiativbewerbungen im Vergleich zu den beiden Vorjahren. Die meisten davon mit der Begründung „Ich muss hier raus!“

Was passiert da? Wir müssen erkennen, dass nicht nur Krisenzeiten unsere ganze Widerstandskraft fordern. Auch der zunehmend stressige Arbeitsalltag, die digitale Welt, die wachsende Komplexität der Managementaufgaben und die schnelllebige Zeit – all das hält uns bis zur Atemlosigkeit auf Trab. „Wir machen eigentlich alles nur noch im Dauerlauf“, klagte neulich ein Manager in der Coaching Session. Kein Wunder, dass dabei Kräfte schwinden, Nerven strapaziert werden und bei manchem die Sicherungen durchbrennen – am Arbeitsplatz oder zuhause.

In Unternehmen wird das Thema landauf landab unter den Teppich gekehrt. „Was wollen Sie eigentlich, wir sind doch alle gut drauf!“. „Hauptsache, die Ergebnisse stimmen“ oder beim nächsten Meeting „Mir geht’s super“. Das sind die Fassaden, hinter denen sich oft tragische Schicksale verbergen. Denn allgemein gilt die Pokerdevise: „Wer Schwäche zeigt, hat schon verloren“. Ein großer Konzern packte das Thema auf seine Weise an: Im Unternehmensleitbild steht in großen Lettern „Unser Management ist gesund“. Darauf meine provokatorische Frage: „Und wenn ein Manager mal krank ist ???“. Antwort des Personaldirektors: „Dann gehört er nicht in unser Management!“. Basta! Wen wunderts da, dass die Coaching Branche boomt und die Arbeitsgerichte alle Hände voll zu tun haben.

Das alles klingt, so die Traditionalisten im Management, als hätten wir nur noch Memmen im Management. Weicheier und Sensibelchen, die sich selbst und jedes Zipperlein hypochondrisch dramatisieren. Doch das ist nicht der Fall. Selbst hartgesottenste Führungskräfte gehen bei den wachsenden Belastungen in die Knie, das zeigen nicht nur medizinische Studien, sondern auch Reaktionen im Coaching. Es stellt sich die Frage: Wie kann es betroffenen Managern gelingen, diesem Druck standzuhalten oder – schlimmer noch – aus scheinbar ausweglosen Krisen (privat oder beruflich) unbeschadet hervorzugehen? Und hier kommt dann doch das Zauberwort RESILIENZ ins Spiel. Was ist das eigentlich?

Die Plastikflasche mit den Dellen

Stellen wir uns eine leere PET Flasche mit diverse Dellen vor. Wenn wir sie mit Wasser füllen, verschwinden die Dellen. Resilienz ist für unser Leben – wie das Wasser für die Flasche – das passende Mittel, die Kraft, um belastende Dinge (Dellen) oder Situationen auszugleichen. Resilienz bedeutet auch Widerstandskraft. Sie gibt uns Zuversicht, wenn’s hart auf hart geht. „Ich finde für jedes Problem eine Lösung“.

Wie kann man das lernen? Wem eine gewisse Stehauf-Mentalität nicht bereits aus dem Elternhaus mitgegeben wurde, der muss zuerst lernen: Der Schlüssel zur Problemlösung liegt stets in uns selbst. Nur verlegen wir ihn manchmal. Daher hilft es schon, auf Folgendes konsequent zu achten: Positive Selbst- und Fremdwahrnehmung, reflektierende Selbststeuerung, soziale Kompetenz, Problemlösungsfähigkeit und – die Akzeptanz, das anzunehmen, was gerade ist. Dabei setzt jeder Einzelne seine persönlichen Schwerpunkte.

So finden Sie Ihren eigenen Weg zum starken Never-Give-Up-Manager

Sehen Sie den Tatsachen ins Auge: Akzeptieren Sie, was nicht zu ändern ist. Widerstand gegen nicht zu ändernde Faktoren zementiert nur die negative Situation und ist kräftezehrende Energieverschwendung. Akzeptanz (nicht Resignation!) kanalisiert Ihre ganze Energie in eine positive Richtung.

Raus aus der Opferrolle: Übernehmen Sie selbst das Steuer. Wer nicht selbst handelt, wird behandelt. Resiliente Menschen geben ihren Ängsten nicht nach und sind stets bereit, ihre Komfortzone zu verlassen. Seien Sie also „Hammer und nicht Amboss“. Das schließt auch die Planung anstehender Aufgaben ein – natürlich mit Pufferzeiten für Unvorhergesehenes.

Handeln Sie verantwortungsvoll mit sich selbst: Eigenes Wohlergehen, eigenes Handeln sind eng verknüpft mit der Bereitschaft, sich auch Versäumnisse und Fehler vorbehaltlos einzugestehen. Verzichten Sie auf persönliche Rechtfertigungen, Entschuldigungen. Tragen Sie die Verantwortung für sich selbst. An seine eigene Schulter kann man sich nicht lehnen. So können neue Optionen entstehen.

Schaffen Sie sich Sicherheit durch persönliche Klarheit: Haben Sie eine klare Vorstellung von Ihren Werten und was für Sie Lebensqualität ausmacht? Verlieren Sie sich nicht in fremden Erwartungen. So finden Sie nach Turbulenzen schnell wieder auf den eigenen Weg zurück

Üben Sie Gelassenheit als Lebenseinstellung: Eine gelassene Grundhaltung hilft Ihnen, für sich selbst zu sorgen und dem Unternehmen Ihre ganze Power und Aufmerksamkeit zu widmen. Mit gesundem Optimismus und positiver Lebenseinstellung lässt sich manche Krise leichter überstehen.

Fokussieren Sie sich: Widmen Sie sich voll und ganz einem Gespräch checken Sie ständig nebenbei E-Mails oder Ihr Smartphone? Volle Konzentration auf eine Sache spart Kräfte, Aufmerksamkeit, vermeidet Fehler, Missverständnisse und schafft Wertschätzung.

Atmen Sie durch, wenn’s mal eng wird: Dadurch stärken Sie Ihre Konzentration, das Kopfkino kommt zur Ruhe und Sie können neue Prioritäten setzen, statt in Aktionismus zu verfallen oder „Feuerwehr“ zu spielen. Vollgas und Ruhephasen müssen abwechseln.

Vergessen Sie das Regenerieren nicht: Nur im Ruhezustand kann Ihr „Motor“ psychisch und physisch Instandhaltung durchführen. Gönnen Sie sich zwischendurch mal einen Mini-Urlaub oder Spaziergang durch den Park?

Setzen Sie Ihre Energie sinnvoll ein: Prüfen Sie, wofür es sinnvoll ist, Ihre Kräfte einzusetzen, wo Sie wirklich etwas bewegen können, mit wem oder was Sie Ihre kostbare Zeit verbringen.

Holen Sie sich frühzeitig Unterstützung: Resiliente Menschen verfügen meist über ein vertrauenswürdiges Netzwerk – Freunde, ein Mentor, die Familie oder ein Coach. Hier gilt: Probleme muss man zwar selbst lösen – aber nicht allein. Manchmal hilft der Blick von außen. 

Gesundes Arbeiten, gesundes Führen

Was können Unternehmen dafür tun, dass ihr Management nicht schlapp macht? Denn der wirtschaftliche Schaden ist unermesslich. Wie können Betriebe die notwendigen Voraussetzungen schaffen, damit Führungskräfte dem zunehmenden Druck besser standhalten und ihrerseits einen „gesunden Führungsstil“ entwickeln? Gesund zu führen, heißt ja nicht nur, Menschen gut zu führen, sondern auch Rahmenbedingungen zu schaffen, die unterstützen und nicht hemmen. Wichtige Voraussetzung sind Transparenz, verlässliche Planung, gute Strukturen und Prozesse, konstruktive Fehlerkultur. Damit können viele Stressmomente bereits von der Organisation abgefedert und übermäßige Belastungen verhindert werden. Zahlreiche Untersuchungen bestätigen, dass der Mensch hohe Belastungen umso mehr aushalten kann, wenn er Sinn und Anerkennung in seiner Arbeit findet. Nach ihrer Wertschätzungskompetenz befragt, gestehen Führungskräfte – leider – meist, dass da noch viel Entwicklungsbedarf bestehe. Die Folge: gutes Arbeitsklima, Spaß und Humor bei der Arbeit, Ehrlichkeit, Transparenz, Wertschätzung und Sinngebung („Warum mache ich das alles eigentlich?“) rangieren bei den Geführten weit vor Bezahlung und Karrierechancen in den Umfragen.

Unternehmen, die ihre Mitarbeiter zum „Blühen“ bringen, ernten meist auch den größten Erfolg.